Tagesarchiv 24/06/2021

Regenbogen

eine durch Regentropfen oder Aerosol verursachte Lichtbrechung, die sich als optische Naturerscheinung“ mit 7 Farben (Rot, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Dunkelblau, Violett) „bemerkbar macht„.

So die nüchterne wissenschaftliche Beschreibung eines unbeschreiblich schönen Naturereignisses, das mich jedesmal wieder aufs Neue begeistert.

Was mich allerdings ganz und gar nicht begeistert, ist mal wieder das, wofür dieser herhalten muss.

Sprich‘, was aktuell [Stichwort: UEFAEM-Stadion in MünchenRegenbogenfarben] mal wieder abläuft und auch Büdingen nicht verschont:

Dass es nicht „Peace“ sondern i.V. mit dieser Fahne „PACE“ lautet, dürfte vermutlich den wenigsten auffallen. Ebensowenig dürfte es auffallen, daß diese Fahne falsch herum ist. Was der lachende Smiley auf der anderen Regenbogenfahne soll, weiß vermutlich auch nur die Stadt. Hauptsache mit „Regenbogen“ und „Zeichen setzen“ dabei. Symbol- und Eventpolitik halt.


Selbstredend, daß auch die, m.M.n. üblichen, „Baizuo“ wieder mal ganz vorne mit dabei sind …

Erich Spamer
Erich Spamer Bürgermeister
Hat die Stadt Büdingen nicht ein paar 🏳️‍🌈 Flaggen? Wäre vielleicht ein guter Zeitpunkt, diese mal zu zeigen.

Posted by Boris Winter on Tuesday, June 22, 2021

Ich frage mich, was passiert, wenn das „Verbot“ der UEFA missachtet wird? Ist das jetzt seit Neuestem schon so, dass turbokapitalistische Verbrecherorganisationen Vorschriften machen dürfen?
#fckuefa

Posted by Boris Winter on Tuesday, June 22, 2021

Selbstredend, daß man sich nicht nur auf die Farben der internationalen Friedensbewegung sowie der sog. „LGBT-Szene“ beschränkt, sondern mit der „Philadelphia Pride„-Fahne (2017 kamen „Black and People of Color“ mit einem schwarzen und einem braunen Streifen dazu) alles „politisch korrekt“ abdeckt. „All Inclusive“ sozusagen.

Posted by Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt on Tuesday, June 22, 2021


Wir sind inzwischen im Juni … „Pride Month“ … wie jedes Jahr im Juni … wo waren eigentlich die Regenbogenfahnen im letzten Jahr? Wo in den letzten Jahr(zehnt)en davor?

Sollte es also all diesen „Baizuo“ wirklich um „Diversität und Gleichberechtigung“ gehen, stellt sich mir die Frage, warum bis dato eigentlich nicht kritisiert wurde, daß diese seit 01.06.2021 im Stadtbild gänzlich fehlen?

Screenshot: Kreis-Anzeiger v. 23.06.2021

Selbst der Kreis-Anzeiger hatte sich – just am 23.06. [EM Vorrundenspiel Deutschland : Ungarn] – dazu hinreißen lassen, seine Website am oberen Rand in Regenbogenfarben zu tauchen. Einen Tag später war dann auch die Regenbogenleiste wieder weg.

„Pride Month“ auch hier „Fehlanzeige“.

Um „Diversität und Gleichberechtigung“ i.V. mit dem „Pride Month“ geht es aber aktuell eigentlich auch gar nicht.

Dieser Regenbogen-Empörungs-Aktionismus am 23.06. diente m.E. einzig dazu, öffentlich Kritik am kürzlich verabschiedetem ungarischen Gesetz zu üben.

[Dieses „verbietet“, lt. Berichterstattung, „„Werbung“ für Homosexualität oder Geschlechtsumwandlungen bei Minderjährigen„. Lt. dem ungarischen Außenminister lege dieses Gesetz jedoch lediglich fest, „dass Eltern bis zum 18. Lebensjahr ihrer Kinder die exklusiven Rechte zur Erziehung hinsichtlich der sexuellen Orientierung hätten„.

Dass dieses Gesetz, mit dem auch ein „Pädophilen-Register“ geschaffen werden soll, mehrheitlich von den „Baizuo“ nebst Journaktivisten im Volltext überhaupt gelesen wurde, wage ich mal zu bezweifeln. In der täglichen Berichterstattung sucht man einen Verweis auf die Veröffentlichung im ungarischen Amtsblatt eher vergebens. Dieser Verweis findet sich jedoch in der ungarischen „infostart“ v. 22.06.2021, die – nicht uninteressant – auch diejenigen (europäischen) Länder aufführt, die diese Gesetzverabschiedung verurteilen, bzw. nicht verurteilen.]

Da kommt das EM Vorrundenspiel Deutschland : Ungarn natürlich gerade recht. Sozusagen Punktgenau.

„Sport“ war, ist und wird nie unpolitisch sein. „Sport ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck!

Vom „Flitzer mit Regenbogenfahne“ während der ungarischen Nationalhymne, Abwenden ungarischer Fans bei der deutschen Nationalhymne, „homophobe Sprechchöre ungarischer Ultras„, „Herzchen“ war zumindest politisch alles dabei und „Nein“ – Achtung: Zynismus – die deutsche Fußballnationalmannschaft ist auch nicht politisch, sondern konzentrierte sich gänzlich aufs Spiel. Nicht auszudenken, mit welcher Torbilanz dieses Spiel für die Deutschen geendet hätte, hätten sie ihren Fokus auf den spielerischen Part dieser Partie gelegt. So „zitterte“ man sich spielerisch also gerade noch zu einem „Unentschieden“, das verhinderte, die Heimreise antreten zu müssen.

Kleiner „Fun Fact“ am Rande: Die UEFA tauchte ihr Logo am 23.06. in Regenbogenfarben. Soviel also zu „„aufgrund ihrer Statuten [ist die UEFA] eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt – muss die UEFA diese Anfrage ablehnen“„. Solche Widersprüche muss man nicht verstehen.

Übrigens: „Regenbogenfahnen“ sucht man in diesem „Pride Month“ hier in Büdingen vergebens. Also nix mit solidarischem „Zeichen setzen“ in Sachen „Diversität und Gleichberechtigung“.

Und falls man sich dann doch noch dazu entschließen sollte – hier sei an den 28.06.1969 erinnert – dann bitte nicht nur vor öffentlichen Gebäuden, wie z.B. der Stadtverwaltung, sondern auch bitte vor / bei der kath. Kirche, Biblische Gemeinde, DITIB, Erstaufnahmeeinrichtung, Flüchtlingsunterkünften, etc., etc., pp. … wenn schon, denn schon …


Beitragsbild: Gordon Johnson / Pixabay